18. Feuerwehrsymposium

Mehr als 300 Teilnehmer besuchten das Feuerwehrsymposium des Stadtfeuerwehrverbandes München. Zu der 18. Auflage der Fachtagung kamen Interessierte aus ganz Bayern, Baden-Württemberg, Italien und Österreich.

Die Themen der Veranstaltung am 7. November in den Räumen der Versicherungskammer Bayerm waren offensichtlich gut gewählt. Besonders bewegend war der Einsatzbericht über den Lagerhallenbrand in Hilden.

Faserverbundwerkstoffe, Elektromobilität und Lithium-Ionen-Speicher – die hohen Anmeldezahlen sprachen in diesem Jahr eindeutig für die richtige Themenauswahl. Zwar fiel der Bericht über Sturm Ela in Nordrhein-Westfalen kurzfristig aus, aber diese Lücke nutzte Oberbranddirektor Wolfgang Schäuble, Dienststellenleiter der Berufsfeuerwehr München und Vorsitzender des Stadtfeuerwehrverbandes, für einen aktuellen Vortrag über den Flüchtlingszustrom Anfang September 2015 in München. Ein Ausnahmezustand, bei dem etwa 700 Menschen im Dreivierteltakt den Münchener Hauptbahnhof erreichten. „Es war natürlich in erster Linie ein logistisches Problem“, sagte Schäuble. Trotzdem war von Anfang an klar: „Wir schaffen das“ – nur wie?

Dank an die Partner des Stadtfeuerwehrverbandes München, die dieses Symposium ermöglichen.
Ein besonderer Dank gilt hier der Versicherungskammer Bayern, die ihre Räumlichkeiten zur Verfügung stellt und die Verpflegung übernimmt. Und Dank an Oliver Bendixen vom Bayerischen Rundfunk für die Moderation des Symposiums.

Phänomen Spontanhelfer

Als ein wichtiger Punkt erwiesen sich bei der Lösung dieser Frage die sogenannten Spontanhelfer. „Man braucht sie nicht zu organisieren“, so Schäuble über die freiwilligen Helfer, die man vor allem von Hochwasserkatastrophen kennt. „Das machen die selbst. Und das in einer Geschwindigkeit, über die man nur staunen kann.“ Diese Helfer waren ein wichtiges Standbein für die Bewältigung der Lage.

„Wir als Feuerwehr und Katastrophenschutzeinheit können keine Dauerlage aufrecht erhalten“, sagte Schäuble. In den Spitzenzeiten könnte man helfen, aber für einen Dauerbetrieb sei man einfach nicht aufgestellt. Da waren gut 7.000 freiwillige Helfer mehr als willkommen. Schäuble berichtete von einer unkomplizierten und neutralen, aber vor allem guten Zusammenarbeit.

Einer Zusammenarbeit, an die sich eine Behörde in der heutigen Zeit trotz ihrer Zwänge gewöhnen müsse. Und die durchaus viele Vorteile für alle bringen kann. Das habe die Flüchtlingssituation in München gezeigt. „Es ist ein Phänomen unserer Zeit. Und wir können es uns nicht leisten, diese Hilfe nicht in Anspruch zu nehmen“, machte Schäuble deutlich.

Für dieses Flüchtlingsengagement bedankte sich auch Schirmherr und Kreisverwaltungsreferent Dr. Wilfried Blume-Beyerle. Das Interesse an dem Feuerwehrsymposium deckte sich mit seinem Verständnis von Feuerwehr: „Feuerwehr steht für mich immer auch für Fortbildung“, sagte er. Es sei ein Beruf, bei dem man ständig auf dem Laufenden bleiben muss.

„Egal ob Freiwillige Feuerwehr oder Berufsfeuerwehr.“ Umso wichtiger waren die anderen Vorträge der Veranstaltung. Ging es doch in der Hauptsache um neue Materialien und Energiequellen – und ihre möglichen Gefahren für Einsatzkräfte. 

Elektromobilität

So war es Claus-Peter Linner von der BMW-Group ein persönliches Anliegen auf dem Symposium die Crash-Sicherheit von Elektrofahrzeugen vorzustellen. Erkundung und Identifizierung des Fahrzeugs legte er den Anwesenden besonders nahe. „Achten sie auf Typbezeichnungen am Heck oder auf den elektrischen Ladeanschluss oder auf die orangefarbene Hochvoltleitung.“

Auch die Fahrzeugkennzeichenabfrage durch die Leitstelle sei sinnvoll. Denn natürlich gibt es Unterschiede zwischen einem normalen Auto und seiner elektrischen Version. Linner stellte verschiedene Kernelemente der Crashsicherheit vor und gab Tipps: „Wenn die Airbags draußen sind, ist es ein gutes Indiz für gefahrloses Arbeiten.“ Aber grundsätzlich sei das Arbeiten an Elektrofahrzeugen nicht gefährlich, so Linner. Es benötige eine Fünf-Fehler-Komponente, damit etwas passieren könne.

Mit dieser fünffachen Absicherung schließe die Industrie eine Gefahr für Rettungskräfte aus. Das diese Komponente funktioniert zeigen dokumentierte Unfälle von Kunden. Obwohl die Fahrzeuge teilweise total zerstört waren, „kann ich Ihnen versichern, dass es nie eine Gefährdung für Insassen und Retter gegeben hat“. E-Fahrzeuge seien damit mindestens so sicher wie konventionelle Fahrzeuge, betonte Linner. Wichtig bei einem Brand: „Kühlen sie die Batterien lange mit Wasser, denn dort können die Reaktionen stattfinden.“ 

Lithium-Ionen-Speicher

Auch Christian Emrich, Brandrat bei der Berufsfeuerwehr München, sieht Wasser bei Lithium-Ionen-Speichern ganz klar als Wahllöschmittel. Und auch er verweist auf einen wichtigen Umstand: kühlen, kühlen, kühlen. Auch wenn das Feuer längst gelöscht ist. „Es besteht die Gefahr einer Rückzündung“, greift er Claus-Peter Linners Hinweis in seinem Vortrag auf. Zudem verdünne das Wasser auch vorhanden Säuren, so dass auch hier keine Gefährdung mehr bestehe.

Zwar kann es immer mal zu Fahrzeugbränden kommen. Auch bei Elektrofahrzeugen. „Und dann haben wir etwa 45 Minuten Zeit bis das Feuer zum Beispiel in einer Tiefgarage auf das nächste Fahrzeug übergeht.“ Trotzdem sollte man das Thema nicht zu hoch aufhängen. Es gäbe mittlerweile absolut übertriebene Anforderungen zum Beispiel bei Fahrzeugausstellungen, davon müsse man wieder runter kommen, sagte Emrich. „Wir als Feuerwehr müssen lernen, damit umzugehen.“

Gerade weil Anwendung dieser Energiequellen zunehmen wird. Für Einsatzkräfte wird dabei letztlich auch die Qualität dieser Energiequellen entscheidend sein. Emrich sieht die Gefahr in erster Linie bei Klein-Akkus und alten, eingelagerten Akkus. Dabei sei der Ladezustand relativ egal. Die Explosion bei manueller Beschädigung oder Hitzeeinwirkung sei in etwa die gleiche, beantwortete er eine Frage aus dem Teilnehmerkreis. 

Einsatzbericht: Flammeninferno in Hilden

Wie groß und schwerwiegend eine solche Explosion sein kann, zeigte der Vortrag von Stefan Brocke und Hans-Peter Kremer von der Feuerwehr Hilden in Nordrhein-Westfalen. Aus einem unkritischen Lagerhallenbrand am 14. September 2014 wurde binnen Sekunden ein Flammeninferno, das sogar auf Gebäude auf der gegenüberliegenden Straßenseite übergriff. Innerhalb von zwei Minuten veränderte sich der gesamte Einsatz.

„Es war nicht wie bei einer Gasexplosion“, berichtete Brocke. Nach einer großen Explosion stand „die Flamme gut 30 Sekunden lang.“ Von 28 Kräften waren nach der Explosion sechs verletzt, davon der Amtsleiter schwer. Die anderen sahen sich einer Feuergewalt gegenüber, die sie nicht wirklich begreifen konnten. Am Ende kämpften etwa 240 Kräfte aus zehn Städten drei Tage lang gegen die Flammen an. „Es war wie ein Planspiel auf der Landesfeuerwehrschule“, berichteten die beiden Feuerwehrmänner. „Immer kam noch etwas oben drauf.“ Wie beispielsweise ein Jugendzeltlager nur 200 Meter weiter und ein sich drehender Wind. Nur war das alles diesmal nicht nur Theorie, sondern absolut real.

Eindrucksvoll schilderten Brocke und Kremer den Einsatz, der wohl auf Monozellen mit 3,6 Volt zurückzuführen ist. Mit ihrem Vortrag machten sie auf ein großes Problem von Einsatzkräften aufmerksam: „Speditionen sind für uns eine große Unbekannte. Wir wissen meistens nicht, was dort genau gelagert wird.“ 

Faserverbundwerkstoffe

Vorsicht ist angebracht, Panik jedoch meistens fehl am Platz: Das gilt für Lithium-Ionen-Speicher sowie auch für Faserverbundwerkstoffe wie Karbon. Ist das wirklich so gefährlich, fragte Hermann Spanner, Brandoberinspektor bei der Berufsfeuerwehr München. „Ich versuche heute, das zu relativieren.“ Es gelang ihm in großen Teilen. Zwar sei die Lungengängigkeit von kohlenstofffaserverstärkten Verbundstoffen ab einer gewissen Größe nicht auszuschließen, aber mit den nötigen Vorkehrungen lasse sich gefahrlos damit umgehen, ohne sich einem Krebsrisiko auszusetzen.

Wichtig sei in jedem Fall immer der Schutz der Atemwege. Man sollte daher auch vermeiden, Fasern beziehungsweise den entstandenen Staub aufzuwirbeln. Bei der Ventilation eines Brandortes ist deshalb auf die Abluft zu achten. „Den Staub kann man gut mit Wasser binden und dann zur Seite kehren“, sagte Spanner. Er empfiehlt für die Arbeiten mit solchen Faserverbundwerkstoffen normale Schutzkleidung sowie eine einfache Atemschutzmaske und notfalls eine Sprühflasche mit Wasser, um Staub zu binden. Bei Technischer Hilfeleistung sei darauf zu achten, dass das Material sich grundsätzlich nicht mit einem Spreizer verformen lasse. Wenn der Druck nachlässt, geht es zurück in die Ausgangslage. Wenn das Material splittert, entstehen dagegen Skalpell-artige Spitzen, die leicht einen Sicherheitshandschuh durchdringen können.

Die Hygienevorschriften unterscheiden sich nicht von anderen Einsätzen: nicht essen, trinken oder rauchen, Kontaminationsverschleppung vermeiden, Atemschutz tragen und Einatmung von Staub vermeiden, Einsatzkleidung reinigen lassen und Geräte mit Wasser reinigen. Geräte und Kleidung sollten staubdicht in Säcken transportiert werden. „Und dabei behalten Sie bitte die Maske immer auf.“ Sollte es doch zur Einatmung von Staub kommen, empfiehlt Spanner eine ärztliche Nachsorge und genaue Dokumentation des Falls als Schutz und Absicherung für die Betroffenen.

Neben der Eigengefahr warnte Hermann Spanner aber noch vor einem nachlässigen Umgang mit verunfallten Fahrzeugen und ihren Insassen.Eine Sensibilisierung für die entsprechenden Automodelle mit Bauteilen aus Faserverbundwerkstoffen sei wichtig, betonte er. Denn: Das Material zeigt wie erwähnt kaum Verformung, da es sich in die Ausgangslage zurück bewegt. Trotzdem gebe es bei einem Unfall eine enorme Energieeinwirkung und die trifft den Fahrer. Dieser sitzt dann für die Einsatzkräfte relativ unkritisch in einem kaum zerstörten Fahrzeug. Doch der Schein trügt: „Wir haben zwar keine Einklemmungen oder Verletzungen der Extremitäten mehr, stattdessen haben die Insassen starke Verletzungen der inneren Organe oder Schädelverletzungen.“ Das muss man realisieren und dementsprechend schnell reagieren. Sein Fazit zur Faser: Im Einsatz wird die Komplexität weiter zunehmen. Dabei ist immer Vorsicht geboten, aber mit Augenmaß. Spanner ist sich sicher, dass die Feuerwehr damit umzugehen lernt. Wie bisher mit jeder Neuerung.