17. Feuerwehrsymposium

Das Feuerwehrsymposium des Stadtfeuerwehrverbandes ist mittlerweile eine Veranstaltung von wachsender Bedeutung. Gut 300 Personen aus ganz Bayern und Bozen fanden zur 17. Veranstaltung am Samstag, 15. November, den Weg zur Versicherungskammer Bayern.

Damit war die Veranstaltung so gut wie ausverkauft. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer freuten sich über einen informativen Tag mit vielen Gelegenheiten zum gemeinsamen Austausch. Die Feuerwehrschule München bekam dagegen etwas Greifbares: Die Versicherungskammer überreichte Wolfgang Schäuble als Dienststellenleiter einen Schaumtrainer.

Schwerpunktthema des Symposiums waren diesmal Silobrände und die große Explosionsgefahr, die bei einem Schwelbrand von ihnen ausgehen kann. Aufgrund der mit ihnen einhergehenden Risiken beschäftigten sich drei Vorträge mit Silobränden. Ulrich Hoischen vom DMT-Zentrum für Brand- und Explosionsschutz stellte gleich zu Beginn seines Vortrages „Brandbekämpfung in explosionsgefährdeten Bereichen“ zwei kritische Behauptungen auf:

  • Feuerwehren sind im Hinblick auf die Besonderheiten der Brandbekämpfung in explosionsgefährdeten Bereichen teilweise nicht optimal geschult.
  • Ausbildungsinhalte zu Explosionsgefahren stützen sich in weiten Teilen auf brennbare Gase. Insbesondere Explosionsgefahren durch brennbare Stäube finden fast keine Beachtung in der Ausbildung.

Ein wichtiges Thema für Hoischen war auch die Verantwortung: Wo hört die Betreiberverantwortung auf, wo fängt sie für die Feuerwehr an? Spätestens bei einer Explosion steht die Frage im Raum, war die Art und Weise der Löscharbeit richtig? Zwei Dinge verdeutlichte Hoischen seinen Zuhörern. „Sie stehen einer Explosion ungeschützt gegenüber“ und ganz wichtig: „Bei Silobränden hat man Zeit.“ Auch die Zeit, sich im Notfall Rat von Experten zu holen. Das Zentrum für Brand- und Explosionsschutz hat für diese Notfälle eine Notrufnummer eingerichtet: 0231/ 5333-237

Ebenso hilfreich und interessant ist für viele sicher auch der Vortrag von Dr. Josef Rampl, Geschäftsführer des Bayerischen Müllerbund, gewesen. Gemeinsam mit dem Genossenschaftsverband und der BayWa hat man einen Inertisierungsverband gegründet, der sich auf Getreidesilobrände spezialisiert hat. „Über Wolfgang Schäuble von der Berufsfeuerwehr München haben wir damals den Kontakt zu AGBF (Arbeitsgemeinschaft der Leiter der Berufsfeuerwehren) hergestellt.“

So kam es zu einer engeren Zusammenarbeit und der Bereitschaft der Berufsfeuerwehren Regensburg und Würzburg, mobile Verdampfer zur Inertisierung bei sich zu stationieren. „Von diesen Standorten aus kann man ganz Bayern problemlos erreichen“, sagte Rampl. Ortsfeuerwehren können diese Inertisierungsgeräte über die Leitstelle anfordern. Der flüssige Stickstoff als Löschmittel müsse allerdings über den Getreidelagerbetrieb bestellt werden. Wichtig: Die Einsatzleitung bleibt in solchen Fällen immer bei der örtlichen Feuerwehr.

Abschließend berichtete Gerhard Stech, Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr Kehl, über seine Einsatzerfahrungen bei Silobränden. Mitgeben konnte er den Anwesenden einige entscheidende Punkte. Darunter:

  • besonnenes Vorgehen
  • Bewertung des im Silo eingelagerten Produktes
  • Kontrolle angrenzender Silo- und Förderanlagen
  • fachliche Beratung einholen
  • ohne Inertisierung birgt die Entleerung eines Silos mit Glutnestern ein extrem hohes Risiko

Stech wies auch noch explizit auf das Merkblatt zur Schadenverhütung des VdS „Inertisierung von Silos im Brandfall“ hin. Einsatzleitern empfahl er zudem noch, die juristische Seite nicht ganz zu vergessen. „Nehmen Sie sich bei strittigen Entscheidungen gegenüber Dritten beispielsweise einen Zeugen dazu.“ Entscheidungen sollten vor dem Hintergrund einer möglichen Haftung unbedingt hinterfragt und schriftlich dokumentiert werden.

Was kann eigentlich ein Abrollbehälter „Löschwasserförderung“? Die Feuerwehr Rosenheim hat seit 2013 eine solche Katastrophenschutzkomponente aus den Mitteln des bayerischen Katastrophenschutzes erhalten. Sie ist für zwei Ereignisse einsetzbar:

  • Wasserförderung zur Brandbekämpfung über lange Wegstrecken.
  • Dem Abpumpen von Wasser aus überfluteten Gebieten.

Nach den bisherigen Erfahrungen aus Rosenheim ist das System „alltags- und einsatztauglich“. „Für Einsätze mit großem Wasserbedarf ist es ideal“ und auch bei der Flutkatastrophe in Deggendorf 2013 überzeugte die Komponente sogar im 24-Stunden-Betrieb. Für Interessierte hatte Referent Hans Meyrl, Stadtbrandrat Feuerwehr Rosenheim, den Abrollbehälter mit nach München genommen, nicht zuletzt, um Werbung für die Komponente zu machen, und um die beeindruckende Größenordnung zu demonstrieren. Das Löschwasserfördersystem schafft so viel wie 16 Tragkraftspritzen und in den verwendeten F-Schlauch passen insgesamt vier übliche B-Schläuche.

Die letzten zwei Vorträge des Tages befassten sich mit den Chancen und Risiken durch Taktische Ventilation im Brandeinsatz und einem Problem, dass niemand sich in seinen Reihen wünscht oder oftmals nur vorstellen kann: Krisenbewältigung am Beispiel eines Brandstifters in der Feuerwehr. Christian Emrich, Brandrat bei der Berufsfeuerwehr München, informierte über moderne Brandverläufe, die moderne Taktik erfordern. Themenfelder waren Entrauchung und Rauchfreihaltung, Entrauchung mittels Unterdruck sowie Anwendung in der Industrie.

Andreas Igl, Geschäftsführender Referent der Freiwilligen Feuerwehr München, und Axel Stoiber, Abteilungsführer bei der Freiwilligen Feuerwehr München, referierten über einen relativ frischen Fall von Brandstiftung aus ihren Reihen. Mit ihrem Bericht gaben sie einen guten Überblick über das Thema praktische Krisenbewältigung, in der gerade eine direkte Kommunikation nach innen und außen eine entscheidende Rolle spielt.